Patricia Zanella ist eine lyrische Koloratursopranistin mit warmem, beweglichem Timbre. Zuletzt sang sie als Blonde in Mozarts «Die Entführung aus dem Serail» in Zürich und war Solistin in Mahlers 4. Sinfonie, Schuberts Messe in C-Dur und Mendelssohns Lobgesang. Sie studierte an der Zürcher Hochschule der Künste bei Ľuba Orgonášova, bildet sich bei Margreet Honig und Michèle Baechtold weiter und erhält Schauspielunterricht von Annette Uhlen. Neben ihrer Bühnenlaufbahn unterrichtet sie Gesang am Musikschule Konservatorium Zürich MKZ.
Frau Zanella, gibt es einen bestimmten Song, der Ihnen besonders am Herzen liegt und warum?
Ich könnte mich nicht auf ein einziges Lied festlegen. Für mich hängt das immer sehr vom Moment und meiner eigenen Stimmung ab. Manchmal sehne ich mich nach Ruhe – dann zieht es mich zu Klaviermusik, etwa zu Mendelssohns «Liedern ohne Worte». In einem anderen Moment brauche ich vielleicht eher Leiden schaft und Kraft – dann mag ich etwas wie «Feeling Good» von Nina Simone. Das finde ich das Schöne an Musik: Sie kann so viele unterschiedliche Seiten in uns ansprechen.
Wie bringen Sie Ihre eigene Persönlichkeit und Emotionen in die Interpretation von Liedern ein?
Wenn ich ein neues Musikstück vorbereite, fühlt es sich für mich an, als würde ich eine neue Beziehung aufbauen. Ich lerne das Stück kennen – in all seinen Farben, Formen und Stimmungen. Ich bin Synästhetin und sehe beim Hören Farben und nehme oft Gerüche und Geschmäcker wahr. Natürlich gehört auch viel technische Arbeit dazu. Wenn ich das Werk dann verinnerlicht habe, kann ich auf der Bühne alles loslassen und mich ganz auf die Musik und den Ausdruck konzentrieren.
Gibt es einen bestimmten Moment in Ihrem Leben, der Ihre Musik besonders beeinflusst hat?
Ein bedeutender Wendepunkt war, als ich aufgehört habe, die Erwartungen anderer erfüllen zu wollen. Als ich mich selbst und meine Stimme wirklich angenommen habe, wurde mein Musizieren freier. Ich versuche nicht mehr, irgendeinem Ideal zu entsprechen, sondern authentisch zu sein.
Wie gehen Sie mit Lampenfieber vor einem grossen Auftritt um?
Atmen! Ich bin ausgebildete Breathwork-Lehrerin und weiss, wie ich mein Nervensystem über den Atem regulieren kann – um in einen ruhigen, aber zugleich präsenten Zustand zu kommen. Und ich erinnere mich immer wieder daran: Ich singe, weil es mich glücklich macht. Ein bisschen Aufregung gehört dazu – ich nenne es jetzt einfach Vorfreude.
Was war bisher der Höhepunkt Ihrer Karriere?
Ein besonderes Highlight war sicher mein Auftritt als Solistin in Rossinis «Stabat Mater» in der Tonhalle Zürich. Fantastische Musik, grossartige Kollegen – das war ein sehr bereichernder Moment.
Ich singe, weil es mich glücklich macht.
Welche Projekte haben Sie für die Zukunft?
Ich habe einige schöne Projekte im Frühling und Sommer 2026. Zum Beispiel singe ich das Sopran-Solo in Jenkins’ «New World» im KKL Luzern und übernehme die Hauptrolle in einer Operettenproduktion der Bühne Burgäschi. Ich lasse aber auch Platz für Überraschungen – oft finden die schönen Projekte mich ganz unerwartet.
Gibt es ein Weihnachtslied, dass Sie besonders gerne singen und warum?
«Zimetschtern» von Andrew Bond finde ich sehr süss. Ich singe es oft mit meinen kleinen Gesangsschülern – sie lieben es, und man spürt dabei fast schon den Duft von Weihnachten in der Luft.
Was macht die kalte Jahreszeit für Sie besonders?
Obwohl ich eher ein «Summerchind» bin, hat die kalte Jahreszeit auch ihren Reiz. Kuschelige Kleidung, Tee, vielleicht Wellness oder eine Herbst- oder Schneewanderung. Mit Freunden und Familie die Festtage feiern – und natürlich wunderschöne Weihnachts- und Winterkonzerte singen. Das geniesse ich sehr!