Kundenportal Webshop Services Kontakt

schweiz-erdgas
IBL>Gas>Energieversorgungsicherheit und Preisentwicklung

Energieversorgungssicherheit und Preisentwicklung

 

Eine mögliche Strommangellage ist schon länger Thema und in den vergangenen Monaten äusserst präsent in Politik, Medien und Bevölkerung. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine, den Reaktionen und Sanktionen, rückt die Strom- und nun auch die Gasversorgungssicherheit sowie die Preisentwicklung nochmals mehr in den Fokus. Deshalb möchten wir Sie mit den nachfolgenden Informationen genauer über diese Themen informieren.

Erdgas

Versorgungssicherheit

Die Gasversorgung der Schweiz ist gegenwärtig nicht beeinträchtigt. Der Bund bereitet sich zusammen mit der Gasbranche auf mögliche Gasversorgungsengpässe vor. Der Verband der Schweizerischen Gasindustrie VSG baut im Auftrag des Bundesrates eine besondere Krisenorganisation auf. Zudem unternimmt die Branche grosse Anstrengungen, die Versorgung im kommenden Winter 2022/23 sicherzustellen. Dazu richtet sie eine Gasreserve ein. Nachdem der Bundesrat eine entsprechende Verordnung verabschiedet hat, nimmt die Branche die Umsetzung an die Hand.

Weiterführende aktuelle Meldungen der offiziellen Behörden finden Sie am Ende dieser Seite bei den Links

Am Mittwoch, 29. Juni 2022, hat der Bundesrat an seiner Medienkonferenz über die Stärkung der Gas-Beschaffung für den kommenden Winter 2022/2023 informiert. Viele der Massnahmen waren bereits bekannt und innerhalb der Branche in Vorbereitung. Die meisten Massnahmen bleiben für die Gas-Bezüger unsichtbar, werden aber den Gas- und Strompreis beeinflussen. Die Vorbereitungen für den Worst Case, welcher uns alle betrifft, eine europäische Gasmangellage, laufen noch bis Ende August weiter.

Die Situation verschärft sich weiter
Die Gasflüsse aus Russland in die EU haben in den letzten Monaten stetig abgenommen und machen derzeit nur noch rund 15 Prozent der Gasimporte der EU aus (2016 waren es rund 40%). Gründe dafür sind neben der sinkenden Nachfrage nach russischem Gas auch die von Russland seit Mitte Juni 2022 gedrosselten Lieferungen über die «Nord Stream 1»-Pipeline. Für weitere Anspannung sorgt der Ausfall des zweitgrössten LNG-Terminals in den USA, welches seit Anfang Juni 2022 wegen eines Brandes ausfällt. Von dort sollte Europa mit grossen Mengen flüssigem Erdgas (liquefied natural gas, LNG) versorgt werden, um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren. Der Plan der EU, die grossen Gasspeicher vor Beginn der Heizsaison zu füllen, geht unter diesen Voraussetzungen nicht mehr auf. Deutschland wollte bis 1. Oktober 2022 seine Gasspeicher zu 80%, bis 1. November 2022 sogar 90% befüllen. Dies scheint aktuell nicht mehr machbar. Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen hat der deutsche Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck die zweite Warnstufe des Notfallplans Gas, die sogenannte Alarmstufe ausgerufen. «Gas ist von nun an ein knappes Gut in Deutschland» sagte Habek in Berlin. Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet, aber die Lage angespannt.

Wie ist die Schweiz davon betroffen
Die Schweiz hat keine eigenen Gasspeicher und ist daher vollständig auf Importe angewiesen. Bis zu drei Viertel der Gaslieferungen in die Schweiz erfolgen via Deutschland. Von Gasengpässen in der EU und insbesondere in Deutschland wäre deshalb auch die Schweiz betroffen. Können die Speicher in der EU und insbesondere in Deutschland nicht entsprechend den Plänen gefüllt werden, lässt sich eine Mangellage im kommenden Winter 2022/2023 nicht ausschliessen.

Branche schlägt Winter-Gasreserve zur Stärkung der Versorgungssicherheit vor
In enger Zusammenarbeit zwischen der Gasbranche und den zuständigen Bundesämtern ist in den letzten Monaten ein Konzept zur Verbesserung der Situation geschaffen worden. Der Bundesrat hat die finalisierte Version an seiner Sitzung vom 29. Juni 2022 zur Kenntnis genommen und die fünf Regionalgesellschaften Erdgas Ostschweiz AG (EGO), Gasverbund Mittelland AG (GVM), Gaznat SA, Erdgas Zentralschweiz AG (EGZ) und Aziende Industriali di Lugano SA (AIL) zur Umsetzung verpflichtet. Das Konzept beinhaltete zwei Massnahmen: Einerseits die Einrichtung einer physischen Gasreserve in Gasspeichern der Nachbarländer. Diese soll 15% (rund 6 TWh) des jährlichen Gasverbrauchs der Schweiz von rund 35 TWh abdecken. Die Schweiz trägt damit im gleichen Mass zur Füllung der europäischen Speicher bei, wie es die übrigen EU-Staaten ebenfalls tun. Ergänzt wird dies durch die zweite Massnahme in Form der Beschaffung von Optionen für zusätzliche nicht-russische Gaslieferungen in Höhe von 6 TWh (rund 20% des Schweizer Winterverbrauchs), die bei Bedarf kurzfristig abgerufen werden können. Gemäss Medienmitteilung des Verbandes der Schweizerischen Gasindustrie wird dies die Folgen eines allfälligen Ausfalls russischer Gaslieferungen minimieren, bietet jedoch keine absoluten Garantien für eine unterbruchsfreie Versorgung.

Weiterführende Massnahmen auf Bundesebene
Parallel zur Beschaffung der Winter-Gasreserve laufen beim Bund die Gespräche und Sondierungsarbeiten für Abkommen mit den Nachbarstaaten, damit in einer Mangellage weiterhin Gas in die Schweiz gelangt. Erste Verhandlungen mit Deutschland haben im Juni 2022 stattgefunden. Das UVEK (BFE) prüft in Zusammenarbeit mit dem WBF (BWL), wie der Aufbau von Gasspeicherkapazitäten in der Schweiz gefördert werden kann. Erste Erkenntnisse sind bis Ende August 2022 zu erwarten, werden aber für die Verbesserung der Versorgungslage im Winter 2022/2023 kaum relevant sein. Im Rahmen von laufenden Arbeiten zur Energieeffizienz bereitet das UVEK (BFE) derzeit eine schweizweite Sparkampagne vor. Die Kampagne soll für die Bevölkerung und Wirtschaft einfach und rasch umzusetzende Energiesparmassnahmen vermitteln. Dies ist jetzt wichtig, da jede gesparte Kilowattstunde Gas in einem europäischen Speicher für den kommenden Winter gesichert werden kann.

Vorbereitungen auf eine mögliche Gas- oder Strommangellage
Neben den bereits eingeleiteten Vorkehrungen zur Vorbeugung von Mangellagen bereitet sich der Bund, Kantone und die Energiebranche auf eine mögliche Gasmangellage vor.
Einer möglichen Gasmangellage will der Bund mit verschiedenen Massnahmen begegnen. Bei einer drohenden Mangellage werden mit einer Informationskampagne des Bundes und der Gasbranche Sparappelle an alle Erdgasverbraucher gerichtet. Mit Empfehlungen und Ratschlägen soll der Verbrauch von Erdgas deutlich reduziert werden. Gleichzeitig würden die Zweistoffkunden auf Heizöl umgeschaltet. Sogenannte Zweistoffanlagen können sowohl mit Erdgas als auch Heizöl betrieben werden. Der Bundesrat appelliert an die Betreiber von Zweistoffanlagen, trotz der hohen Preise jetzt ihre Heizöltanks zu füllen.
Wenn Sparappelle und angeordnete Umschaltungen eine drohende Gasmangellage nicht abwenden können, soll der Erdgasverbrauch kontingentiert werden. Davon sind in einem ersten Schritt alle Anlagen betroffen, die nicht zur Kategorie Anlagen von geschützten Verbrauchern zählen. Zu den geschützten Verbrauchern zählen insbesondere Haushalte, die an ein Erdgasverteilnetz zur Wärmeversorgung angeschlossen sind sowie grundlegende soziale Dienste ausserhalb der Bereichen Bildung und öffentliche Verwaltung. Das WBF überarbeitet derzeit das Kontingentierungskonzept der Wirtschaftlichen Landesversorgung (WL) unter Konsultation der Industrie und wird dieses dem Bundesrat Ende August 2022 vorlegen.

Abhängigkeit von russischem Gas
Die Abhängigkeit von russischem Gas soll reduziert werden. Im Moment laufen in Europa intensive Bemühungen, die Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren und die Bezugsmöglichkeiten breiter abzustützen. Dabei spielt LNG eine wichtige Rolle, da auf diese Weise Gas aus unterschiedlichsten Weltregionen beschafft werden kann. Die EU verfügt über knapp 40 LNG-Terminals. Laut EU-Kommission gibt es mehrere Länder, die in der Lage wären, ihre Flüssiggaslieferungen in die EU zu erhöhen. Als Beispiel werden die USA, Katar, Aserbaidschan, Ägypten, Nigeria und Norwegen genannt.
Deutschland hat kürzlich den Bau zweier LNG-Terminals angekündigt. Im Weiteren hat der Deutsche Bundestag kürzlich ein neues Gesetz beschlossen, gemäss dem alle Gasspeicher in Deutschland bis kommenden Winter zu 80% gefüllt werden. Das Gesetz soll Anfang Mai 2022 in Kraft treten. Ähnliche Regeln gelten bereits in Frankreich und Italien. Die deutsche Bundesregierung hat aber auch festgestellt, dass Deutschland frühestens ab 2024 vollständig auf russisches Gas verzichten kann. Für die Versorgungssicherheit leistet das russische Gas im Moment noch einen wichtigen Beitrag.
Aus der Schweizer Politik werden immer wieder Forderungen laut, dass kein Gas aus Russland mehr importiert wird. Dazu ist zu sagen, dass die Schweizer Gaswirtschaft keine direkten Lieferbeziehungen zu Russland hat, sondern das Gas primär auf den Märkten in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Italien bezieht. Die Schweizer Gaswirtschaft ist bestrebt, bestehende Abhängigkeiten zu reduzieren und die Bezugsmöglichkeiten breiter abzustützen.
In der Praxis ist es aber heute noch nicht umsetzbar, russisches Erdgas auszuschliessen, weil im Gashandel nicht deklariert, wird bzw. noch kein System besteht, das zeigen kann, woher das Erdgas kommt. Anders als beim Biogas oder im Strombereich gibt es noch kein anerkanntes und umfassendes Herkunftsnachweissystem. Solange also physische Erdgaslieferungen aus den Pipelines aus Russland in das europäische Gasnetz erfolgen, wird auch der Gasmix in der Schweiz einen Anteil an russischem Erdgas enthalten. Wobei dieser Anteil in diesem Jahr deutlich kleiner ausfallen wird.

Preisentwicklung

Aufgrund der ausserordentlichen Situation an den internationalen Rohstoff- und Energiemärkten nach Corona und der hohen Nachfrage nach Gas stiegen die Erdgaspreise seit Sommer 2021 stark an. So viel Bewegung hat der bisher eher träge Gasmarkt lange nicht gesehen.

Die Preisentwicklung wurde durch die hohe Nachfrage nach Gas in Europa und insbesondere auch in Asien verursacht. Nach dem sehr kalten Winter und Frühling im Jahr 2021 waren die Speicherstände sehr tief und konnten auf den Winter 2022 hin nicht mehr auf das benötigte Niveau hin befüllt werden. Der fortschreitende Umstieg auf erneuerbare Energien im Strom führt ausserdem dazu, dass Gaskraftwerke vermehrt zum Ausgleich von wetterbedingten Produktionsschwankungen eingesetzt werden.

Der Winter 2021/2022 war nie über längere Zeit sehr kalt, daher sah es Mitte Februar noch so aus, als würde sich die Preissituation langsam wieder bessern.

Mit dem Ukraine-Konflikt hat sich die Sachlage aber wieder deutlich gedreht und für nie dagewesene Erdgaspreise gesorgt.

 

Erdgas-CH Terminpreise Frontmonat und Frontjahr
Stand: 27.07.2022

 

Der HEGIX Termin berechnet sich auf Basis von THE Terminpreisen und Transportkapazitäten-Terminpreise Exit Wallbach THE. Die Transportkapazitäts-Terminpreise werden aus PRISMA Auktionsergebnissen abgeleitet. Die Umrechnung in Schweizer Franken erfolgt mittels Devisen Terminpreisen.
PRISMA: Führende Europäische Erdgas Kapazitäten Handelsplattform.

ch_-_gas_hegix_forwards-1
ch_-_gas_hegix_spot-6
Erdgas-CH Spotpreisentwicklung
Stand: 27.07.2022

 

Der HEGIX Spot berechnet sich aus dem EEX Tagesreferenzpreis für das Marktgebiet Deutschland «Trading Hub Europe» (THE), dem PRISMA Auktionspreis für nicht unterbrechbare Tageskapazitäten Exit Wallbach und dem Tagesreferenzwechselkurs der EZB.
PRISMA: Führende Europäische Erdgas Kapazitäten Handelsplattform.

Strom

Versorgungssicherheit

Die Winterversorgung ist auch bei der Stromversorgung der Knackpunkt: Im Winter ist die Schweiz stets auf Stromimporte angewiesen. Um die Stromversorgungssicherheit zu gewährleisten, braucht es einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien. Damit dies gelingt, müssen die Planungssicherheit und die Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien verbessert werden. Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) beschäftigt sich seit langem mit dem Thema Versorgungssicherheit und hat im Auftrag des Bundes und der wirtschaftlichen Landesversorgung die Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (OSTRAL) zur Bewältigung schwerer Mangellagen ins Leben gerufen.

Weiterführende aktuelle Meldungen der offiziellen Behörden finden Sie am Ende dieser Seite bei den Links

Die IBL ist Teil dieser Organisation und hat bereits Grossverbraucher diesbezüglich kontaktiert. Mitte Oktober 2021 hat Bundespräsident Guy Parmelin über verschiedene Kanäle Unternehmen aufgerufen, sich auf Strommangellagen vorzubereiten. Im Umfang dieser Kampagne des Bundes hat auch die IBL all ihre Grosskunden angeschrieben, das Thema Strommangellage erläutert, zu Vorbereitungsmassnahmen aufgerufen und in der Folge spezifische Fragen beantwortet.

Sollte tatsächlich eine Strommangellage eintreten, ist der wichtigste Ansatzpunkt die Lenkung von Angebot und Verbrauch. Dazu erlässt der Bundesrat jeweils entsprechende Verordnungen, welche die Massnahmen im Detail festlegen. Auf der Angebotsseite wird die Stromproduktion und damit insbesondere die Bewirtschaftung der Stauseen zentralisiert, zudem können Stromhandel und Exporte begrenzt werden. Um den Verbrauch zu senken, kann die OSTRAL Verbrauchseinschränkungen und Verbote erlassen: zunächst für energieintensive, aber nicht zwingend notwendige Anwendungen wie Schwimmbäder, Klimaanlagen, Rolltreppen oder Aufzüge. Spitzt sich die Lage weiter zu, werden Grossverbraucher verpflichtet, durch Kontingentierungen eine vorgegebene Strommenge einzusparen. Unternehmen können sich so individuell vorbereiten und Einsparungen dort treffen, wo sie ihren Betrieb am wenigsten einschränken. Als Ultima Ratio sieht der Massnahmenkatalog schliesslich rotierende Netzabschaltungen zur Lastreduktion vor, wozu die Netzbetreiber Abschaltplanungen erarbeitet haben. Das hätte allerdings weitreichende Folgen und sollte nach Möglichkeit vermieden werden.

Hinweis: Eine Strommangellage unterscheidet sich grundsätzlich von einem Blackout, einem grossflächigen Stromausfall, bei dem das Netz unkontrolliert zusammenbricht. Im Gegensatz dazu tritt eine Strommangellage nicht plötzlich auf, sondern ergibt sich aus einem länger anhaltenden Ungleichgewicht von Stromangebot und -nachfrage. Strommangel ist also mithilfe von Daten und Erfahrungswerten grundsätzlich vorhersehbar und hat eine nationale bzw. europäische Tragweite.

Preisentwicklung

Verschiedene Gründe für starken Preisanstieg

Um die Situation rund um die gestiegenen Strompreise richtig zu verstehen, muss man den gesamten Energiemarkt betrachten. Denn der Strompreis ist eng gekoppelt mit den Preisen für andere Energiearten. Insbesondere besteht eine enge Verflechtung mit dem Erdgaspreis. Strom wird auf dem europäischen Strommarkt an verschiedenen Börsen gehandelt.

Preisbestimmend dabei ist die jeweils teuerste Technologie, die für die Stromproduktion eingesetzt wird. Denn die Kraftwerke werden in der Reihenfolge ihrer Grenzkosten (variable Kosten) eingesetzt, beginnend mit dem günstigsten Kraftwerk (Merit-Order). Dies so lange, bis die Nachfrage gedeckt ist. Das teuerste eingesetzte Kraftwerk bestimmt somit den Preis. Und das ist im Moment das Gaskraftwerk.

 

 

Durchschnittliche Day-Ahead-Strompreise im Grosshandel in EUR/MWh (Spotmarkt)

Seit Sommer 2021 ist ein starker Anstieg aller Energiepreise – und generell vieler Commodities – zu beobachten. Die rasche Erholung der Weltwirtschaft nach dem Pandemiejahr 2020 hat die Nachfrage nach Rohstoffen und Energie, insbesondere in Asien, stark steigen lassen. Dies führte zu einem sehr starken Anstieg der Preise über alle Energieträger hinweg, vor allem aber Erdgas und Kohle. Beim Gas waren die europäischen Speicher im April 2021 nur zu rund 30 Prozent gefüllt, gut 10 Prozent unter Vorjahr. Im Sommer wurden die Speicher dann weniger aufgefüllt als üblich. Vermutlich haben verschiedene Akteure aufgrund der bereits anziehenden Preise zugewartet. So ging Europa mit einem vergleichsweise tiefen Gasbestand in den Herbst, als die geopolitischen Spannungen zunahmen. Parallel dazu liess die Erwartung strengerer Klimaregulierungen in Europa den CO2-Preis stark ansteigen, was dem Strompreis zusätzlich zusetzte. Denn Kraftwerke müssen für ihren CO2-Ausstoss Zertifikate erwerben, was sich wiederum auf den Energiepreis niederschlägt.

Anfang Jahr 2022 wirkte bei hoher Volatilität der eher milde Winter preisdämpfend, die geopolitische Situation treibt den Preis jedoch in die Höhe. Spätestens seit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine und der westlichen Sanktionen dominiert die Geopolitik. Hinzu kommt, dass über ein Viertel der europäischen Stromproduktion aus Gas stammt. Bei einer Gasmangellage ist unklar, ob dieser Anteil am europäischen Strommix noch zur Verfügung steht. Die schwierigen Situationen bei den Kernkraftwerken in Frankreich (viele Ausserbetriebnahmen infolge Sicherheitsprüfungen) und teilweise Reduktionen aufgrund von tiefen Flusspegeln. Hinzu kommen die aktuell prognostizierten Zuflüsse in Schweizer Speicherseen, die unter der Norm ausfallen.

Vor dem Hintergrund der laufenden Ereignisse sind Prognosen aktuell sehr schwierig. Da sind sich alle Experten einig. «Eine Ausnahme ist die Volatilität, die voraussichtlich hoch bleiben wird. Das dominierende Thema ist die Situation in der Ukraine sowie die Frage, wie sich das Verhältnis von Europa zu Russland verändern wird».

ch_-_strom_baseload_historie_frontjahr_berechnet-5

Strom-CH historische Entwicklung des Terminprodukts «Baseload Frontjahr», Stand: 27.07.2022

ch_-_strom_durchschnitt_spot-1

Strom-CH gleitender Mittelwert (21 Tage) der «Spot-Preise», Stand: 27.07.2022

Häufige Fragen

Die Gaswirtschaft will bestehende Abhängigkeiten von russischem Gas reduzieren und mittelfristig unabhängig davon werden. Dabei müssen die Bezugsmöglichkeiten breiter abgestützt werden. Flüssigerdgas (LNG) spielt hier eine wichtige Rolle, um Gas aus allen Weltregionen zu beschaffen, auch wenn das teurer ist. Die Schweizer Gaswirtschaft wird nun ein gemeinsames Vorgehen beschliessen, um die anstehenden Herausforderungen anzugehen.

Da die Schweiz über keine wirtschaftlich nutzbaren Gasvorkommen verfügt, wird Erdgas aus dem Ausland importiert. Die Schweiz importierte 2020 zu 47 Prozent Gas aus Russland, 24 Prozent aus Norwegen, 19 Prozent aus der EU und weitere 13 Prozent aus anderen Ländern. (Quelle: Statistik des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie). Im Jahr 2021 wurde weniger Gas aus Russland nach Europa geliefert, dafür die Einspeisemenge von LNG (Flüssiggas) erhöht. Bezüglich der Herkunftsdeklaration für das Jahr 2021 sind noch keine verifizierten Daten verfügbar.

Bei LNG (Liquefied Natural Gas) wird Erdgas auf -163 °C abgekühlt, wodurch es flüssig wird. Das Volumen von LNG beträgt weniger als 0,2% des Gasvolumens, sodass es effizient und mit einer hohen Energiedichte transportiert und gelagert werden kann. Vor der Verflüssigung werden Verunreinigungen wie Wasser, Säuren, andere Flüssigkeiten, Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff, Stickstoff und Helium entfernt und das Gas getrocknet. LNG ist ungiftig und verursacht keine Schäden durch Korrosion. Allerdings erfordert es einen höheren Aufwand bei der Lagerung als gasförmiges Methan. Wichtige Lieferanten sind Katar, USA, Australien, Norwegen, Nigeria und Algerien.

Die Schweizer Gaswirtschaft hat keine direkten Lieferbeziehungen zu Russland, sondern beschafft das Gas primär auf den Märkten in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Italien. Die Schweizer Gaswirtschaft ist bestrebt, bestehende Abhängigkeiten zu reduzieren und die Bezugsmöglichkeiten breiter abzustützen. In der Praxis ist das aber heute noch kaum umsetzbar, weil im Gashandel nicht deklariert wird bzw. noch kein System besteht, das zeigen kann, woher das Gas kommt. Anders als im Strombereich gibt es noch kein anerkanntes und umfassendes Herkunftsnachweissystem. Wenn ein Gasversorger in einer bestimmten Region Gas beziehen möchte, müsste er mit dortigen Produzenten entsprechende Lieferverträge abschliessen. Dies wäre wesentlich komplexer und teurer als auf dem Spotmarkt Gas zu beschaffen. Auf den Spot- und Terminmärkten werden Standardprodukte angeboten, die Gas aus verschiedenen Regionen beinhalten können, ohne dass eine Abgrenzung stattfindet.

Bei der IBL haben Sie die Möglichkeit, Ihr Gasprodukt mit Biogas-Zertifikaten aufzuwerten. Für jede Kilowattstunde Biogas, welche ins Gasnetz eingespeist wird, darf der Produzent ein Biogas-Zertifikat verkaufen. Durch den Kauf dieser Zertifikate tragen Sie aktiv dazu bei, dass längerfristig mehr Biogas ins nationale und internationale Gasnetz eingespeist wird. Dies führt zu einer Ökologisierung des Gasmixes im Gasnetz und reduziert die Einspeisung von fossilem und somit auch russischem Gas. Kurzfristig betrachtet, beziehen Sie physisch nach wie vor denselben Gasmix. Beim Biogas-Zertifikatshandel existiert ein Herkunftsnachweissystem.

ibl-strom-energie-sparen-header-web

Energie sparen

Energie sparen lohnt sich. Der effiziente Einsatz von Energie bewirkt viel – einfach und ohne Komfortverlust.

 

Mehr erfahren

ibl-gruppenaufnahme-kundendienst-web

Bei Fragen nehmen wir uns gerne Zeit für Sie.

Kundendienst
062 916 57 57
kundendienst@ib-langenthal.ch

ib-langenthal.ch verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Wenn Sie auf der Seite weitersurfen, stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu. Weitere Informationen zum Datenschutz finden Sie hier.