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IBL>Vom Privileg, Trinkwasser einfach aus dem Untergrund gewinnen zu können.

Vom Privileg, Trinkwasser einfach aus dem Untergrund gewinnen zu können.

In der aktuellen flexIBL-Ausgabe schenkt uns Martin Würsten reines Wasser ein. Lesen Sie mehr dazu im Beitrag.

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine Diplom-Feldarbeit im Sommer 1980 im Maggiatal. Die ETH Zürich feierte ihr 125-jähriges Jubiläum. Dazu gab es verschiedene Veranstaltungen, zu denen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eingeladen wurden.

Eine solche Veranstaltung fand bei uns im Maggiatal statt. Unser Professor für Siedlungswasserwirtschaft hatte dazu eingeladen. Wir führten vor, wie aus Bohrlöchern in der Talebene des Maggiatals Grundwasser gepumpt und ohne Aufbereitung direkt als frisches Trinkwasser getrunken werden konnte. Der Professor füllte kleine Gläser mit diesem Wasser und bot die Gläser den Gästen an. Diese erfreuten sich sichtlich daran. Einige verzogen allerdings etwas überrascht die Gesichter. Als kleiner Scherz hatte der Professor zwischendurch ein paar Gläser mit Grappa  gefüllt.

Mit dieser Aktion wollte die ETH darauf aufmerksam machen, dass wir in der Schweiz das Privileg haben, unser Trinkwasser direkt aus dem Untergrund zu gewinnen – ohne teure Aufbereitung. Dieses Privileg haben wir im Prinzip bis heute. Möglich ist dies, weil die Schweiz als Wasserschloss von Europa reich an Wasser ist und wir viel investiert haben in einen gut funktionierenden Gewässerschutz. 

Umso grösser war der Schock, als vor drei Jahren festgestellt wurde, dass in vielen Trinkwasserfassungen im Mittelland Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln (u. a. Chlorothalonil) gemessen wurden, welche über dem Höchstwert der Lebensmittelgesetzgebung liegen. Auch das Grundwasservorkommen Unteres Langetetal ist davon betroffen. Die Politik hat rasch reagiert und neue gesetzliche Grundlagen geschaffen, die dazu führen werden, dass sich die Situation verbessern wird. Rasch wird dies nicht eintreten, weil das Grundwasser sich nur langsam erneuert. Und es ist den Wasserversorgern nicht möglich, anderes nicht von diesen Verunreinigungen betroffenes Trinkwasser zu beschaffen. Ich trinke weiterhin Trinkwasser, das mit diesen Substanzen verunreinigt ist.

Die Schweiz ist als «Wasserschloss» Europas reich an Wasser.

Toxikologisch ist es für uns Menschen nicht gefährlich. Aber der Stolz auf unser Trinkwasser ist kleiner geworden. Ich hoffe, dass wir bei einem späteren Jubiläum der 1855 gegründeten ETH Zürich – vielleicht schon 2030 zum 175-jährigen Jubiläum – wieder mehr Grund zur Freude haben. Strengen wir uns dafür an!

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